Gabriela Muri

Melvil oder Das verfügbare Gedächtnis

Melvil Given entwickelt als Leiter einer Forschungsabteilung in Chicago digitale Technologien zur Übermittlung von Informationen. Daneben hat er ein eher ungewöhnliches Hobby – in seiner Freizeit erforscht Melvil die Wirkung von Farbe erzeugenden
Halluzinationszigaretten.

Während seiner Versuche mit den Zigaretten in den Wäldern Kanadas verliert Given zunehmend die Kontrolle: Die Farben seines Fernsehers verblassen, die Aussagen in den TV-Sendern beginnen sich zu wiederholen, die Bilder verschwinden. Irgendwann, inmitten von Fernsehgeräten und Fernbedienungen in seinem Wohnzimmer am Boden liegend, hat Given zwar nicht sein Leben, aber sich selbst verloren.

Echt oder fake? Gegenwärtig oder vergangen? Wer kontrolliert die Geräte, wer kontrolliert das Spiel?
Der Roman markiert die Schwelle vom analogen zum digitalen Zeitalter, als das World Wide Web eine
bessere Zukunft voller Annehmlichkeiten verhieß.

 

Reaktionen:

 

»Ein digitales Rauschen«. Rezension von Beat Mazenauer in Viceversa-Literatur

»Alles so schön bunt hier«. Rezension von Gabriele Haefs in Jungle World

 

Gabriela Muri forscht und lehrt als Kulturwissenschaftlerin an der Universität Zürich sowie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Soziale Arbeit. Sie befasst sich sowohl als Wissen‐ schaftlerin als auch als Autorin mit raum- und zeittheoretischen Fragestellungen, mit Event- und Jugendforschung sowie dem Wandel unseres Alltags durch Digitalisierung. Im Jahr 2001 lebte sie einige Monate als Stadtforscherin in Chicago. »Melvil« ist ihr erster Roman. 

Susann Klossek

Fatum. Drei Pfade ins Nichts

Was haben Ungarn, Indien, Tansania, Guatemala und Borneo gemein? Erst einmal gar nichts. Bis sie von Klossek heimgesucht werden. Danach ist nichts mehr, wie es war. Zumindest was das Innenleben der Autorin betrifft. Gedichte von unterwegs, die vom Leben fremder Kulturen berichten – aus der Sicht einer Frau, die sich aus den Fängen einer Amour fou zu befreien versucht.

das gepanzerte herz

leben auf dem hügel
heißt leben mit den winden

sind sie rau oder sind sie sanft
friert es dich bis auf die knochen
oder wirst du ganz zart

bellen sie lustvoll oder knurren sie bös
werfen sie dich beinah in den graben
fächeln sie seidig oder zerren sie nervös

immer werden sie dich lehren
zu leben & zu sterben
lautlos oder mit getös

irgendwann wird sich alles vereinen
das hundegebell aus dem nachbardorf
der verkehrslärm und die katze

der frieden des angelus
der kuss zwischen löwe & schaf
der blick von mensch zu mensch.

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